Lernfeld 14 · Prüfung Teil 2
Problemlösungsstrategien und Wissensmanagement
Fehler an Werkzeugen systematisch lösen: Problemlösungszyklus, Ishikawa, 5-Why, Pareto, typische Fehlerbilder und Wissensmanagement im Werkzeugbau.
Darum geht es
Probleme an Werkzeugen löst man nicht durch Probieren, sondern in Schritten: Problem beschreiben und Ausmaß erfassen, Ursachen sammeln und prüfen, Lösungen entwickeln und bewerten, umsetzen und die Wirkung kontrollieren. Das Ishikawa-Diagramm ordnet mögliche Ursachen nach Mensch, Maschine, Material, Methode und Mitwelt. Die 5-Why-Methode fragt so lange „Warum?“, bis die Grundursache gefunden ist. Die Pareto-Analyse zeigt, welche wenigen Fehlerarten den größten Teil der Störungen verursachen, und dort setzt man zuerst an. Hilfreich ist auch der Vergleich von gutem und schlechtem Zustand, etwa ein schlecht füllendes Nest gegenüber den guten.
Typische Fehlerbilder verweisen auf Ursachen im Werkzeug. Am Spritzgießteil deuten Brandstellen am Fließwegende auf fehlende Entlüftung (Dieseleffekt), Grat an der Trennebene auf beschädigte Trennflächen oder zu wenig Schließkraft, Einfallstellen auf Materialanhäufungen, Verzug auf ungleiche Temperierung und Druckstellen auf zu kleine Auswerfer. Am Stanzteil wächst der Grat mit dem Verschleiß der Schneidkanten oder bei falschem Schneidspalt; Biegeteile federn zurück und brauchen Überbiegen oder Prägen.
Wissen über Werkzeuge ist wertvoll. Implizites Erfahrungswissen erfahrener Kollegen wird explizit, wenn man es in Arbeitsanweisungen, Videos, Werkzeuglebensläufen oder Datenbanken festhält. Lessons learned am Projektende verhindern, dass Fehler sich wiederholen. Zur eigenen Weiterentwicklung gehören Herstellerschulungen, Lehrgänge und das Nachdenken über die eigenen Lernwege.
Das solltest du dir merken
- Erst die geprüfte Ursache beseitigen, nicht nur das Symptom nacharbeiten.
- Brandstellen am Fließwegende bedeuten meist eingeschlossene Luft, also Entlüftung prüfen.
- Ein wachsender Grat am Stanzteil zeigt Verschleiß der Schneidkanten an.
- Pareto-Prinzip, die größte Fehlerart zuerst angehen.
- Erfahrungswissen dokumentieren, damit es im Betrieb bleibt.
Formeln
- Anteil einer Fehlerart
- Anteil in %, Anzahl der Fehler dieser Art, Gesamtzahl der Fehler
- Ausschusskosten
- Ausschusskosten in €, gefertigte Teile, Ausschussanteil als Dezimalzahl, Kosten je Ausschussteil in €
Typische Fehler in der Prüfung
- Beim ersten sichtbaren Fehler stehen geblieben, statt nach der Grundursache zu fragen.
- Grat am Spritzgießteil nur mit höherer Schließkraft bekämpft, obwohl die Trennebene beschädigt ist.
- Ausschussanteil in Prozent ohne Teilen durch 100 in die Rechnung eingesetzt.
Tipps aus der Werkstatt
- Ursache vor Abhilfe: Brandstellen am Fließwegende heißen Entlüftung prüfen, Grat an der Trennebene heißt Trennfläche und Schließkraft prüfen, wachsender Stanzgrat heißt Schneidkanten verschlissen. Bei 5-Why fragen, bis eine Maßnahme den Fehler dauerhaft abstellt.
Sitzt das Thema? Teste dich mit echten Prüfungsfragen.
13 Aufgaben zu „Problemlösungsstrategien und Wissensmanagement“, falsche Antworten kommen in der Runde noch einmal.
Jetzt übenGrundlage: KMK-Rahmenlehrplan Werkzeugmechaniker/-in (2004 i. d. F. 2018), Lernfeld 14 (Ändern und Anpassen technischer Systeme des Werkzeugbaus). Eigene Erklärung, keine Originalaufgaben der Prüfungsausschüsse.