Lernfeld 13 · Prüfung Teil 2
Lastenheft, Pflichtenheft und Auftragsanalyse
Lastenheft und Pflichtenheft im Werkzeugbau: Kundenforderungen klären, Auftrag analysieren, Kavitätenzahl und Laufzeit abschätzen.
Darum geht es
Ein Werkzeug oder eine Vorrichtung entsteht fast immer nach Kundenauftrag. Am Anfang steht das Lastenheft des Kunden: Es beschreibt nach DIN 69901-5, was das Werkzeug leisten soll, etwa Artikel, Jahresbedarf, Standmenge, Maschine oder Presse, Werkstoff des Teils und Termine. Der Werkzeugbau antwortet mit dem Pflichtenheft. Darin legt er fest, wie er die Forderungen erfüllt: Werkzeugbauart, Kavitätenzahl oder Streifenbild, Werkstoffe, Wärmebehandlung, Normalien und Schnittstellen zur Maschine. Mit der Zustimmung des Kunden wird das Pflichtenheft Grundlage des Vertrags und später der Abnahme.
In der Auftragsanalyse prüft man die Unterlagen auf Vollständigkeit und Machbarkeit. Typische Lücken sind fehlende Toleranzen, ungeklärte Bezugsflächen, keine Angabe zu Sichtflächen, Anspritzpunkt oder Auswerfermarken, unbekannte Maschinendaten oder unklare Prüfbedingungen. Solche Punkte klärt man vor dem Angebot schriftlich, denn jede spätere Änderung am gehärteten Werkzeug ist teuer. Anforderungen müssen messbar sein: „hohe Standzeit“ ist kein Abnahmekriterium, „eine Million Hübe bis zum ersten Nachschliff“ schon.
Aus Bedarf und Zykluszeit schätzt man die nötige Kavitätenzahl und die Maschinenlaufzeit ab. Ein Mehrfachwerkzeug kostet mehr, liefert aber je Zyklus mehrere Teile. Viele Kunden schreiben ihre Anfragen auf Englisch; Begriffe wie mould, die, cavity, hot runner oder punch sollte man sicher kennen.
Das solltest du dir merken
- Lastenheft = Was und Wofür (Kunde), Pflichtenheft = Wie und Womit (Werkzeugbau).
- Offene Punkte vor dem Angebot schriftlich klären, nicht erst bei der Abmusterung.
- Jede Anforderung braucht einen messbaren Wert, sonst taugt sie nicht für die Abnahme.
- Die Kavitätenzahl folgt aus Bedarf, Zykluszeit, verfügbarer Maschinenzeit und den Grenzen der Maschine.
- Sichtflächen, Anschnitt und Auswerferlage gehören in die Auftragsklärung.
Formeln
- Mindestzahl der Kavitäten
- Kavitäten, Jahresbedarf in Stück, Zykluszeit in s, verfügbare Maschinenzeit in s
- Maschinenlaufzeit
- Laufzeit in s, Stückzahl, Zykluszeit in s, Kavitäten bzw. Teile je Hub
Typische Fehler in der Prüfung
- Lastenheft und Pflichtenheft verwechselt; das Pflichtenheft schreibt der Auftragnehmer.
- Kavitätenzahl abgerundet statt aufgerundet; der Bedarf wird dann nicht gedeckt.
- Bei der Laufzeit vergessen, durch die Zahl der Kavitäten oder Teile je Hub zu teilen.
Tipps aus der Werkstatt
- Lastenheft schreibt der Kunde (Was und Wofür), Pflichtenheft der Werkzeugbau (Wie und Womit). Kavitätenzahl aus Bedarf mal Zykluszeit durch verfügbare Zeit immer aufrunden. „Hohe Standzeit“ ist kein Abnahmekriterium, eine Hubzahl schon.
Sitzt das Thema? Teste dich mit echten Prüfungsfragen.
13 Aufgaben zu „Lastenheft, Pflichtenheft und Auftragsanalyse“, falsche Antworten kommen in der Runde noch einmal.
Jetzt übenGrundlage: KMK-Rahmenlehrplan Werkzeugmechaniker/-in (2004 i. d. F. 2018), Lernfeld 13 (Planen und Fertigen technischer Systeme des Werkzeugbaus); DIN 69901-5. Eigene Erklärung, keine Originalaufgaben der Prüfungsausschüsse.