Lernfeld 13 · Prüfung Teil 2
Konstruktionsrichtlinien und Werkstoffwahl
Konstruktionsrichtlinien im Werkzeugbau: fertigungsgerechte Formteile, Schwindung, Schließkraft, Normalien und Werkzeugstähle nach DIN EN ISO 4957.
Darum geht es
Ein gutes Werkzeug beginnt mit einem fertigungsgerechten Teil. Für Spritzgießteile gelten gleichmäßige Wanddicken, Entformungsschrägen (Richtwert oft 0,5° bis 2°, bei Narbung mehr), Radien an Innenkanten und Rippen, die deutlich dünner sind als die Wand (Richtwert etwa 50 bis 70 % je nach Kunststoff), damit keine Einfallstellen entstehen. Hinterschnitte brauchen Schieber, Schrägauswerfer oder Kernzüge und verteuern das Werkzeug. Bei Stanzteilen sollen Stege und Lochabstände zum Rand als Richtwert mindestens etwa eine Blechdicke betragen. Vorrichtungen bestimmen das Werkstück nach dem 3-2-1-Prinzip, Spannkräfte wirken gegen feste Auflagen, Späne müssen frei abfallen.
Kunststoff schwindet beim Abkühlen. Die Kavität wird deshalb um die Verarbeitungsschwindung größer gefertigt als das Teil; sie liegt je nach Kunststoff, Füllstoff und Verarbeitung meist unter etwa 2 %. Nach DIN EN ISO 294-4 bezieht sich die Schwindung auf das Werkzeugmaß, das Kavitätenmaß ist also Formteilmaß geteilt durch (1 − S); Formteilmaß mal (1 + S) ist nur eine Näherung für kleine Schwindungen. Kritische Maße legt man so an, dass nach der Abmusterung noch Stahl abgetragen werden kann. Die Schließkraft muss die Kraft aus Werkzeuginnendruck und projizierter Fläche aller Kavitäten samt Verteiler aufnehmen, sonst öffnet die Trennebene und es entsteht Grat.
Bei der Werkstoffwahl unterscheidet man nach DIN EN ISO 4957 Kaltarbeitsstähle wie 1.2379 und 1.2842 für Schneid- und Umformteile, Warmarbeitsstähle wie 1.2343 für Druckgießformen, vorvergütete Stähle wie 1.2312 für Formrahmen und Schnellarbeitsstähle wie 1.3343 für hoch belastete Stempel. Verschleißschutz bieten Härten und Anlassen, Nitrieren oder PVD-Beschichtung. Säulengestelle, Führungen, Federn und Auswerfer kauft man als Normalien zu.
Das solltest du dir merken
- Gleichmäßige Wanddicke, Entformungsschräge und Radien machen ein Spritzgießteil fertigungsgerecht.
- Kavitätenmaß = Formteilmaß / (1 − Schwindung), weil die Schwindung auf das Werkzeugmaß bezogen ist; die Kavität ist immer größer.
- Schließkraft = projizierte Fläche aller Kavitäten mit Verteiler mal Werkzeuginnendruck.
- 1.2379 für Schneidteile, 1.2343 für Druckguss, 1.2312 vorvergütet für Platten.
- Kritische Maße stahlsicher auslegen, damit Korrekturen durch Abtragen möglich sind.
Formeln
- Kavitätenmaß aus Schwindung
- Maß im Werkzeug in mm, Maß am Formteil in mm, Verarbeitungsschwindung als Dezimalzahl, bezogen auf das Werkzeugmaß (DIN EN ISO 294-4)
- Schließkraft
- Schließkraft in N, Kavitäten, projizierte Fläche je Kavität in cm², Werkzeuginnendruck in N/cm² (1 bar = 10 N/cm²)
Typische Fehler in der Prüfung
- Die Schwindung vom Formteilmaß abgezogen statt zugeschlagen; die Teile werden zu klein.
- Bei der Schließkraft bar nicht in N/cm² umgerechnet oder den Verteiler vergessen.
- Rippen so dick wie die Wand konstruiert; auf der Sichtseite entstehen Einfallstellen.
- Vorvergüteten Stahl für verschleißende Kunststoffe mit Glasfasern eingesetzt.
Tipps aus der Werkstatt
- Kavität = Formteilmaß / (1 − Schwindung), denn S bezieht sich auf das Werkzeugmaß. Schließkraft: alle Kavitäten samt Verteiler, 1 bar = 10 N/cm². Rippen deutlich dünner als die Wand, sonst Einfallstellen. 1.2379 schneidet, 1.2343 gießt, 1.2312 trägt.
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14 Aufgaben zu „Konstruktionsrichtlinien und Werkstoffwahl“, falsche Antworten kommen in der Runde noch einmal.
Jetzt übenGrundlage: KMK-Rahmenlehrplan Werkzeugmechaniker/-in (2004 i. d. F. 2018), Lernfeld 13 (Planen und Fertigen technischer Systeme des Werkzeugbaus); DIN EN ISO 4957; DIN EN ISO 294-4. Eigene Erklärung, keine Originalaufgaben der Prüfungsausschüsse.