Lernfeld 9 · Prüfung Teil 2
Bauweisen, Träger, Sicherheitszelle und Knautschzonen
Karosseriebauweisen im Überblick: Rahmen, mittragende und selbsttragende Karosserie, Space-Frame, Träger, Fahrgastzelle und Knautschzonen.
Darum geht es
Fahrzeuge werden nach der Art unterschieden, wie sie Kräfte aufnehmen. Bei der nichttragenden Bauweise trägt ein Leiterrahmen allein, der Aufbau ist elastisch daraufgesetzt; das findet man bei Lkw, vielen Pick-ups und schweren Geländewagen. Bei der mittragenden Bauweise sind Rahmen oder Bodenplattform und Aufbau fest verbunden und tragen gemeinsam. Fast alle Pkw sind heute selbsttragend: Die verschweißte Rohkarosserie übernimmt ohne eigenen Rahmen alle Kräfte. Eine Sonderform ist der Space-Frame, ein Gitter aus Aluminiumprofilen und Gussknoten mit Blechbeplankung.
Innerhalb der Karosserie unterscheidet man Primärträger wie Längsträger, Schweller, Säulen, Dachrahmen und Querträger, Sekundärträger wie Radhäuser, Stirnwand und Bodenbleche, die versteifen, und Anbauteile wie Kotflügel, Hauben, Türen und Stoßfänger, die verschraubt sind. Vorn und hinten liegen Knautschzonen, die sich gezielt verformen und so Bewegungsenergie abbauen. Dazwischen liegt die Sicherheitsfahrgastzelle, die ihre Form behalten soll und deshalb oft aus höchstfesten, pressgehärteten Stählen besteht.
Für die Reparatur folgt daraus: Anbauteile werden getauscht oder instand gesetzt, an tragenden Teilen bestimmen die Reparaturvorgaben des Herstellers Trennstellen, Fügeverfahren und Werkstoffe. Crashboxen sind Verformungselemente für einen Einsatz und werden ersetzt. Bauteile der Fahrgastzelle aus pressgehärtetem Stahl werden nicht gerichtet und nicht erwärmt. Wer die Bauweise kennt, findet beim Schaden schneller heraus, welche Bereiche mitbetroffen sein können.
Das solltest du dir merken
- Nichttragend heißt, der Rahmen trägt allein; selbsttragend heißt, die Rohkarosserie trägt ohne Rahmen.
- Knautschzonen bauen Energie durch Verformung ab, die Fahrgastzelle soll formstabil bleiben.
- Anbauteile sind verschraubt, Primär- und Sekundärträger gehören zur tragenden Struktur.
- Eine gestauchte Crashbox wird ersetzt, nicht gerichtet.
- An tragenden Teilen gilt immer die Reparaturvorgabe des Herstellers.
Formeln
- Masse eines Blechteils
- Fläche in m², Blechdicke in m, Dichte (Stahl etwa 7850 kg/m³, Aluminium etwa 2700 kg/m³)
- Bewegungsenergie
- Masse in kg, Geschwindigkeit in m/s (km/h durch 3,6)
Typische Fehler in der Prüfung
- Mittragende und selbsttragende Bauweise verwechselt.
- Kotflügel oder Motorhaube zu den tragenden Trägern gezählt.
- Geschwindigkeit in km/h statt in m/s in die Energieformel eingesetzt.
- Eine gestauchte Crashbox gerichtet statt ersetzt.
Tipps aus der Werkstatt
- Grobe Faustregel: verschraubt ist meist Anbauteil, verschweißt oder geklebt meist Struktur; Crashbox und Hilfsrahmen sind verschraubt und trotzdem wichtig für den Crash. Knautschzone soll sich verformen, Fahrgastzelle nicht. In der Energieformel die Geschwindigkeit erst durch 3,6 teilen, dann quadrieren; der Faktor ein Halb wird oft vergessen.
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13 Aufgaben zu „Bauweisen, Träger, Sicherheitszelle und Knautschzonen“, falsche Antworten kommen in der Runde noch einmal.
Jetzt übenGrundlage: KMK-Rahmenlehrplan Karosserie- und Fahrzeugbaumechaniker/-in (2022), Lernfeld 9 (Karosserie- und Fahrzeugschäden analysieren und beurteilen). Eigene Erklärung, keine Originalaufgaben der Prüfungsausschüsse.