Lernfeld 9 · Prüfung Teil 2
Reparaturweg, Schadenskalkulation, Haftpflicht und Kasko
Reparaturweg und Schadenskalkulation: Arbeitswerte, Stundenverrechnungssatz, Teile und Lack, Kostenvoranschlag, Haftpflicht- und Kaskoschaden.
Darum geht es
Nach der Schadensaufnahme wird der technisch und wirtschaftlich beste Reparaturweg gewählt: Instandsetzung, Teilersatz eines Abschnitts, Neuteil oder Gebrauchtteil. Entscheidend sind die Herstellervorgabe, der Werkstoff, Größe und Zugänglichkeit des Schadens, die Kosten und der Wunsch des Kunden. Gebrauchte Anbauteile können sinnvoll sein; pyrotechnische Rückhaltesysteme und tragende Teile aus Unfallfahrzeugen sind es nicht.
Kalkuliert wird meist mit branchenspezifischer Software, die über die FIN Teilenummern, Preise und Arbeitswerte des Herstellers liefert. Arbeitswerte (AW) sind Zeiteinheiten; wie viele AW eine Stunde ergeben, legt der Hersteller fest, häufig 10 oder 12. Lohnkosten ergeben sich aus der Zeit und dem Stundenverrechnungssatz, dazu kommen Ersatzteile, Klein- und Verbrauchsmaterial, Lackarbeit und Lackmaterial sowie Vermessung und Kalibrierung von Fahrerassistenzsystemen. Auf die Nettosumme wird die Umsatzsteuer aufgeschlagen.
Wer zahlt, hängt vom Schadenfall ab. Bei einem unverschuldeten Unfall reguliert die Kfz-Haftpflichtversicherung des Verursachers. Den eigenen Schaden bei Selbstverschulden trägt nur eine Vollkaskoversicherung, abzüglich Selbstbeteiligung; Hagel, Sturm, Brand, Diebstahl, Glasbruch und Wildunfälle fallen typischerweise unter die Teilkasko. Wiederbeschaffungswert, Restwert und Wertminderung ermittelt der Sachverständige; über Ansprüche wie Nutzungsausfall entscheiden Versicherung und gegebenenfalls Gerichte. Ist der Geschädigte zum Vorsteuerabzug berechtigt, wird in der Regel netto erstattet. Die Werkstatt erklärt diese Begriffe, berät aber nicht rechtlich. Repariert wird erst nach Freigabe.
Das solltest du dir merken
- Arbeitswerte immer mit der Herstellerangabe AW je Stunde umrechnen.
- Netto zuerst vollständig summieren, dann die Umsatzsteuer aufschlagen.
- Fremdverschuldet zahlt die Haftpflicht des Gegners, selbstverschuldet nur die eigene Vollkasko.
- Gebrauchtteile nur für geeignete Anbauteile, nie für Airbag, Gurtstraffer oder Träger aus Unfallfahrzeugen.
- Ohne Freigabe von Kunde oder Versicherung wird nicht repariert.
Formeln
- Lohnkosten aus Arbeitswerten
- Arbeitswerte, AW je Stunde laut Hersteller, Stundenverrechnungssatz in €/h
- Bruttobetrag
- Lohn, Teile, Lackmaterial, alles netto in €, Umsatzsteuer 19 %
- Reparaturkosten im Verhältnis zum Wiederbeschaffungswert
- Reparaturkosten, Wiederbeschaffungswert, beide brutto in €
Typische Fehler in der Prüfung
- Arbeitswerte als Minuten oder mit falscher AW-Zahl je Stunde umgerechnet.
- Umsatzsteuer nur auf den Lohn statt auf die ganze Nettosumme gerechnet.
- Übersehen, dass eine Vollkasko die Leistungen der Teilkasko, etwa bei Hagel, mit einschließt.
- Nutzungsausfall oder Anwaltskosten in die Reparaturkalkulation aufgenommen.
Tipps aus der Werkstatt
- Arbeitswerte immer mit der Herstellerangabe umrechnen, etwa 12 AW je Stunde. Erst Lohn, Teile und Lack netto addieren, dann einmal mal 1,19. Fremdverschuldet zahlt die Haftpflicht des Gegners, selbst verschuldet nur die eigene Vollkasko, Hagel und Wild typischerweise die Teilkasko.
Sitzt das Thema? Teste dich mit echten Prüfungsfragen.
15 Aufgaben zu „Reparaturweg, Schadenskalkulation, Haftpflicht und Kasko“, falsche Antworten kommen in der Runde noch einmal.
Jetzt übenGrundlage: KMK-Rahmenlehrplan Karosserie- und Fahrzeugbaumechaniker/-in (2022), Lernfeld 9 (Karosserie- und Fahrzeugschäden analysieren und beurteilen). Eigene Erklärung, keine Originalaufgaben der Prüfungsausschüsse.