Lernfeld 12 · Prüfung Teil 2
Arbeiten an Hochvoltfahrzeugen nach Unfall
Hochvoltfahrzeuge nach Unfall: Gefahren der beschädigten Batterie, Quarantäne, Rettungsdatenblatt, Freischalten nach Herstellervorgabe und Karosseriearbeiten.
Darum geht es
Ein Elektro- oder Hybridfahrzeug nach einem Unfall gilt so lange als gefährlich, bis eine dafür qualifizierte Person den Zustand des Hochvoltsystems nach Herstellervorgabe bewertet hat. Leitungen und Isolierungen können beschädigt sein, und ob die automatische Abschaltung beim Crash gewirkt hat, ist nicht sicher. Wer am Fahrzeug arbeitet, braucht die Qualifizierung nach DGUV Information 209-093 für die jeweilige Tätigkeit: Stufe 1S für nichtelektrotechnische Arbeiten wie Karosseriearbeiten, Stufe 2S (Fachkundige Person für Hochvoltsysteme) für Freischalten und Arbeiten im spannungsfreien Zustand, Stufe 3S für Arbeiten unter Spannung. Lässt sich ein Unfallfahrzeug nicht sicher spannungsfrei schalten, werden Arbeiten am Hochvoltsystem wie Arbeiten unter Spannung behandelt. Lage von Batterie, Leitungen und Trennstellen zeigt das Rettungsdatenblatt.
Eine beschädigte Lithium-Ionen-Batterie kann noch Stunden oder Tage später thermisch durchgehen. Anzeichen sind Rauch, Geruch, Knistern, Zischen und Erwärmung. Das Fahrzeug steht dann im Freien auf einem gekennzeichneten Quarantäneplatz mit Abstand zu Gebäuden und anderen Fahrzeugen, wird beobachtet und nicht geladen; bei Anzeichen wird sofort die Feuerwehr gerufen. Die Gase sind brennbar und giftig, aus dem fluorhaltigen Leitsalz kann unter anderem Fluorwasserstoff entstehen.
Karosseriearbeiten wie Trennen, Schweißen und Richten sind am freigeschalteten Fahrzeug möglich, wenn die Fachkundige Person für Hochvoltsysteme den spannungsfreien Zustand hergestellt und dokumentiert hat. Hochvoltkomponenten im Arbeitsbereich werden geschützt oder ausgebaut, Temperaturgrenzen der Batterie gelten auch für die Lacktrocknung. Prüf- und Messarbeiten an unter Spannung stehenden Komponenten, etwa an der geöffneten Batterie, sind Arbeiten unter Spannung und erfordern Stufe 3S, isoliertes Werkzeug und Schutzausrüstung. Nach der Reparatur folgen Sichtprüfung, Isolationsmessung und Wiederinbetriebnahme durch die Fachkundige Person.
Das solltest du dir merken
- Unfall-Elektrofahrzeug bis zur Bewertung als gefährlich behandeln, kennzeichnen und absperren.
- Beschädigte Batterie im Freien in Quarantäne, nicht laden, Feuerwehr bei Rauch oder Wärme.
- Lage der Hochvoltkomponenten im Rettungsdatenblatt nachsehen.
- Karosseriearbeiten nur am freigeschalteten, gesicherten und dokumentierten Fahrzeug.
- Temperaturgrenze der Hochvoltbatterie auch beim Lacktrocknen einhalten.
Formeln
- Energieinhalt der Batterie
- Nennspannung in V, Kapazität in Ah, in Wh
- Mindest-Isolationswiderstand
- Kennwert des Herstellers in Ω/V, Nennspannung des Systems
Typische Fehler in der Prüfung
- Auf die automatische Abschaltung beim Crash vertraut.
- Fahrzeug mit beschädigter Batterie in der Halle oder an der Ladesäule abgestellt.
- Lacktrocknung ohne Blick auf die Temperaturgrenze der Batterie.
- Unterweisung der untersten Stufe mit der Berechtigung zu elektrotechnischen Arbeiten verwechselt.
Tipps aus der Werkstatt
- Ein Elektroauto nach Unfall ist gefährlich, bis eine qualifizierte Person das Gegenteil festgestellt hat. Rauch, Zischen oder Wärme am Unterboden: Abstand, Feuerwehr. Wer schweißen will, fragt zuerst nach dem dokumentierten spannungsfreien Zustand und nach der Temperaturgrenze der Batterie.
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13 Aufgaben zu „Arbeiten an Hochvoltfahrzeugen nach Unfall“, falsche Antworten kommen in der Runde noch einmal.
Jetzt übenGrundlage: KMK-Rahmenlehrplan Karosserie- und Fahrzeugbaumechaniker/-in (2022), Lernfeld 12 (Vernetzte Fahrzeugsysteme diagnostizieren und instand setzen). Eigene Erklärung, keine Originalaufgaben der Prüfungsausschüsse.