Lernfeld 8 · Prüfung Teil 2
Hydraulik im Werkzeugbau
Hydraulik im Werkzeugbau: Kernzüge in Spritzgießwerkzeugen, Kraft aus dem Werkzeuginnendruck, Druckübersetzer, Werkzeugschnellspannung und Ölreinheit.
Darum geht es
Hydraulik überträgt große Kräfte mit kleinen Bauteilen, weil sie mit hohen Drücken arbeitet, an Spritzgießmaschinen meist weit über 100 bar, und Öl nahezu inkompressibel ist. Im Werkzeugbau begegnet sie vor allem als Kernzug in Spritzgießwerkzeugen, als hydraulische Werkzeugschnellspannung an Pressen und als Spannhydraulik in Vorrichtungen. Ein seitlicher Kern muss während des Einspritzens und Nachdrückens die Kraft aus Werkzeuginnendruck mal projizierter Kernfläche halten; das sind schnell viele Kilonewton. Aus dieser Kraft und dem verfügbaren Hydraulikdruck ergibt sich die Kolbenfläche des Kernzugzylinders.
Damit der Kern nicht zurückweicht, sperrt ein entsperrbares Rückschlagventil die Zylinderleitung leckagefrei; bei großen Kräften kommt eine mechanische Verriegelung hinzu. Zuschaltventile steuern Folgen über den Druck, Druckminderventile versorgen empfindliche Kerne im Nebenkreis mit niedrigerem Druck, Stromregelventile halten die Geschwindigkeit konstant. Die Endlagen der Kernzüge werden mit Sensoren abgefragt, und erst danach gibt die Maschine das Schließen oder Auswerfen frei. In Vorrichtungen ohne eigenes Aggregat erzeugt ein Druckübersetzer aus Druckluft einen hohen Öldruck im Verhältnis der Kolbenflächen.
Beim Anschließen der Kernzüge gilt: Anschlüsse eindeutig kennzeichnen, nur drucklos kuppeln, Kupplungen reinigen, Schläuche scheuerfrei verlegen. Schmutz ist der häufigste Grund für klemmende Ventile; die Ölreinheit gibt man nach ISO 4406 an, und neues Öl wird über einen Filter eingefüllt. Hydrospeicher in der Spannhydraulik halten den Druck bei stehender Pumpe und müssen vor Arbeiten entladen werden.
Das solltest du dir merken
- Kraft auf den Kern gleich Werkzeuginnendruck mal projizierter Kernfläche.
- Maßgebend ist der Druck im Formnest, nicht der Druck der Maschinenhydraulik.
- Schieberventile lecken immer etwas; leckagefrei halten nur Sitzventile wie entsperrbare Rückschlagventile.
- Beim Druckübersetzer steigt der Druck mit dem Quadrat des Durchmesserverhältnisses.
- Hydraulikkupplungen nur drucklos verbinden und lösen.
Formeln
- Kraft aus dem Werkzeuginnendruck
- in N, Werkzeuginnendruck in N/mm² (bar durch 10), projizierte Kernfläche in mm²
- Kolbendurchmesser
- in mm, in N, Hydraulikdruck in N/mm²
- Druckübersetzer
- Druck am großen Kolben, Druck am kleinen Kolben, , Kolbendurchmesser in mm
Typische Fehler in der Prüfung
- Kraft auf den Kern mit dem Hydraulikdruck statt mit dem Werkzeuginnendruck gerechnet.
- cm² nicht in mm² umgerechnet; die Kraft ist um den Faktor 100 falsch.
- Beim Druckübersetzer nur das Durchmesserverhältnis statt seines Quadrats genommen.
- Kernzuganschlüsse vertauscht, so dass der Kern beim Schließen in die falsche Richtung fährt.
Tipps aus der Werkstatt
- Kernzugkraft gleich Werkzeuginnendruck mal projizierter Kernfläche, nicht Maschinendruck. Häufiger Fehler: cm² nicht in mm² umgerechnet, das gibt den Faktor 100. Beim Druckübersetzer geht das Durchmesserverhältnis im Quadrat ein.
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15 Aufgaben zu „Hydraulik im Werkzeugbau“, falsche Antworten kommen in der Runde noch einmal.
Jetzt übenGrundlage: KMK-Rahmenlehrplan Werkzeugmechaniker/-in (2004 i. d. F. 2018), Lernfeld 8 (Planen und Inbetriebnehmen steuerungstechnischer Systeme); DIN ISO 1219-1. Eigene Erklärung, keine Originalaufgaben der Prüfungsausschüsse.