Prüfungsbereich LF 12b · Prüfung Teil 2
Anforderungsanalyse, Lasten- und Pflichtenheft
Anforderungsanalyse kurz erklärt: Kundengespräch, funktionale und nicht funktionale Anforderungen, MoSCoW, Lastenheft, Pflichtenheft und Änderungen.
Darum geht es
Jedes Kundenprojekt beginnt mit der Frage, was der Kunde wirklich braucht. Im Gespräch erfasst du den Istzustand, die Ziele, die Rahmenbedingungen wie Budget, Termin und Datenschutz und die Beteiligten. Offene Fragen und aktives Zuhören helfen, auch unausgesprochene Erwartungen zu finden. Vage Wünsche wie schnelles WLAN übersetzt du in prüfbare Anforderungen mit Zahlen.
Funktionale Anforderungen beschreiben, was das System leisten soll, zum Beispiel nächtliche Sicherung aller Daten. Nicht funktionale Anforderungen beschreiben, wie gut es das tun soll, etwa Verfügbarkeit, Antwortzeit, Sicherheit oder Bedienbarkeit. Gute Anforderungen sind eindeutig, vollständig, prüfbar und realistisch. Mit der MoSCoW-Methode ordnest du sie nach Must, Should, Could und Won't.
Das Lastenheft schreibt der Auftraggeber. Es beschreibt, was und wofür etwas gebraucht wird. Das Pflichtenheft schreibt der Auftragnehmer. Es beschreibt, wie und womit er die Anforderungen umsetzt. Nach der Freigabe ist das Pflichtenheft Grundlage für Umsetzung und Abnahme.
Wünscht der Kunde während des Projekts Änderungen, läuft das über ein geregeltes Änderungsverfahren. Du bewertest Aufwand, Kosten und Terminfolgen, lässt die Änderung schriftlich freigeben und passt die Planung an. Ohne Pflichtenheft gibt es später keinen Maßstab, an dem sich die Abnahme messen lässt.
Das solltest du dir merken
- Lastenheft vom Auftraggeber, was und wofür; Pflichtenheft vom Auftragnehmer, wie und womit.
- Funktional heißt was, nicht funktional heißt wie gut.
- Anforderungen müssen prüfbar sein, am besten mit Zahlen.
- Änderungen nur mit Bewertung und schriftlicher Freigabe.
Typische Fehler in der Prüfung
- Lastenheft und Pflichtenheft vertauscht.
- Eine Verfügbarkeits- oder Leistungsangabe als funktionale Anforderung eingeordnet.
- Anforderung so ungenau formuliert, dass sie sich bei der Abnahme nicht prüfen lässt.
- Änderungswunsch des Kunden ohne Bewertung von Kosten und Termin sofort umgesetzt.
Tipps aus der Werkstatt
- Lastenheft schreibt der Kunde: Was und Wofür. Pflichtenheft schreibt der Auftragnehmer: Wie und Womit. Erst das freigegebene Pflichtenheft ist die Grundlage für Umsetzung und Abnahme; jeder spätere Wunsch läuft als Änderungsantrag mit Bewertung von Kosten und Termin.
- Funktional ist, was das System tut; nichtfunktional ist, wie gut es das tut (Verfügbarkeit, Antwortzeit, Sicherheit). Schreib jede Anforderung so, dass du sie bei der Abnahme messen kannst: Wert, Einheit, Bedingung, Termin. „Schnell“ ist kein Abnahmekriterium, „200 Mbit/s bei 20 Geräten“ schon.
Sitzt das Thema? Teste dich mit echten Prüfungsfragen.
12 Aufgaben zu „Anforderungsanalyse, Lasten- und Pflichtenheft“, falsche Antworten kommen in der Runde noch einmal.
Jetzt übenGrundlage: Rahmenlehrplan Fachinformatiker/-in (KMK 2020), Lernfeld 12b; DIN 69901-5 Projektmanagement Begriffe. Eigene Erklärung, keine Originalaufgaben der Prüfungsausschüsse.