Lernfeld 12 · Prüfung Teil 2
Auftrag und Zeichnung analysieren
Auftrag und Zeichnung analysieren: Passungen nach ISO 286, Allgemeintoleranzen, Form- und Lagetoleranzen nach ISO 1101, Rauheit und Werkstoffangaben.
Darum geht es
Bevor ein Einzelteil entsteht, prüfen Sie Auftrag und Zeichnung: Ist der Zeichnungsstand (Änderungsindex) aktuell, sind alle Maße, Toleranzen und Oberflächen eindeutig, passen Werkstoff, Stückzahl und Termin? Unklare oder widersprüchliche Angaben klären Sie vor Fertigungsbeginn mit dem Kunden und lassen sich die Antwort schriftlich bestätigen.
Passungen nach DIN EN ISO 286 bestehen aus Nennmaß, Grundabmaß (Buchstabe) und Toleranzgrad (Zahl). Großbuchstaben gelten für Bohrungen, Kleinbuchstaben für Wellen. Im System Einheitsbohrung ist die Bohrung H; die Welle bestimmt, ob Spiel, Übergang oder Übermaß entsteht. Höchstspiel ist Höchstmaß der Bohrung minus Mindestmaß der Welle, Höchstübermaß ist Mindestmaß der Bohrung minus Höchstmaß der Welle. Maße ohne eigene Toleranz unterliegen der Allgemeintoleranz im Schriftfeld, etwa ISO 2768-m.
Geometrische Toleranzen nach DIN EN ISO 1101 begrenzen Form, Richtung, Ort und Lauf. Formtoleranzen wie Ebenheit brauchen keinen Bezug, alle anderen beziehen sich auf ein Bezugselement. Nach DIN EN ISO 8015 gilt der Unabhängigkeitsgrundsatz; soll die Form innerhalb der Maßtoleranz bleiben, steht die Hüllbedingung am Maß. Rauheiten nach DIN EN ISO 21920 werden in Mikrometern angegeben, Ra ist ein Mittelwert, Rz eine Spitze-Tal-Höhe. Der Werkstoff-Kurzname verrät Kohlenstoff- und Legierungsgehalt und damit die Zerspanbarkeit.
Das solltest du dir merken
- Großbuchstabe Bohrung, Kleinbuchstabe Welle.
- Höchstspiel ist größte Bohrung minus kleinste Welle.
- Nur Formtoleranzen kommen ohne Bezug aus.
- Rauheitswerte stehen in Mikrometern.
- Unklare Angaben schriftlich klären, nie selbst annehmen.
Formeln
- Höchstspiel
- Höchstmaß der Bohrung, Mindestmaß der Welle
- Mindestspiel
- Mindestmaß der Bohrung, Höchstmaß der Welle; negativ heißt Übermaß
- Maßtoleranz
- Höchstmaß minus Mindestmaß, gleich oberes minus unteres Abmaß
Typische Fehler in der Prüfung
- Abmaße von Bohrung und Welle vertauscht.
- Abmaße in Mikrometern und Nennmaß in Millimetern ohne Umrechnung addiert.
- Rundlaufabweichung als halbe statt als volle Differenz der Messuhr abgelesen.
- Allgemeintoleranz aus der falschen Nennmaßstufe abgelesen.
Tipps aus der Werkstatt
- Bei Passungen rechnest du am sichersten mit den Grenzmaßen statt mit Abmaßen: Höchstspiel ist größte Bohrung minus kleinste Welle, Höchstübermaß kleinste Bohrung minus größte Welle. Ein negatives Ergebnis ist Übermaß. Abmaße stehen in µm, das Nennmaß in mm, also vorher umrechnen.
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11 Aufgaben zu „Auftrag und Zeichnung analysieren“, falsche Antworten kommen in der Runde noch einmal.
Jetzt übenGrundlage: KMK-Rahmenlehrplan Zerspanungsmechaniker/-in, Lernfeld 12 (Vorbereiten und Durchführen eines Einzelfertigungsauftrages). Eigene Erklärung, keine Originalaufgaben der Prüfungsausschüsse.