Lernfeld 11 · Prüfung Teil 2
EMV und Aufbau von Antriebssystemen
EMV von Umrichterantrieben: Störquellen, Kopplungswege, Schirmung, Filter, Netzrückwirkungen und EMV-gerechter Schaltschrankaufbau.
Darum geht es
Elektromagnetische Verträglichkeit heißt: Ein Gerät stört andere nicht unzulässig und lässt sich selbst nicht stören. Frequenzumrichter sind starke Störquellen. Ihre IGBT schalten mehrere hundert Volt in Bruchteilen einer Mikrosekunde; die steilen Flanken treiben hochfrequente Ströme über die Kapazitäten von Motorleitung und Wicklung gegen Erde. Diese Ströme suchen sich ihren Rückweg zum Umrichter, und wenn der Weg nicht über den Schirm führt, dann über Erdleitungen, Gebäudeteile und Signalleitungen. Störungen erreichen andere Geräte galvanisch, kapazitiv, induktiv oder durch Strahlung.
Die wichtigsten Gegenmaßnahmen gehören zum Aufbau: eine geschirmte Motorleitung mit beidseitig rundum aufgelegtem Schirm, ein Netzfilter nahe am Umrichter, eine blanke, verzinkte Montageplatte als gemeinsames Bezugspotential und getrennte Wege für Leistungs- und Signalleitungen. Lange Beidrähte am Schirm wirken bei hohen Frequenzen wie eine Spule und machen den Schirm wirkungslos. Ungefilterte Netzleitungen gehören nicht neben gefilterte Leitungen, sonst laufen die Störungen am Filter vorbei.
Auf der Netzseite verursacht der Gleichrichter niederfrequente Oberschwingungen, vor allem der 5. und 7. Ordnung. Netz- und Zwischenkreisdrosseln oder eine aktive Einspeisung verringern sie. Die Produktnorm DIN EN 61800-3 teilt Antriebe nach Umgebung in die Kategorien C1 bis C4 ein. Wegen der Filterkondensatoren fließen Ableitströme über den Schutzleiter; über 3,5 mA muss der Schutzleiter verstärkt oder doppelt ausgeführt sein. In IT-Systemen werden die Filterkondensatoren gegen Erde nach Herstellerangabe abgetrennt.
Das solltest du dir merken
- Hauptquelle hochfrequenter Störungen sind die steilen Schaltflanken des Wechselrichters.
- Den Schirm der Motorleitung beidseitig großflächig rundum auflegen, keine langen Beidrähte.
- Leistungs- und Signalleitungen getrennt führen und nur rechtwinklig kreuzen.
- Drosseln senken Netzoberschwingungen, Schirm und Ausgangsfilter wirken auf der Motorseite.
- Bei Ableitströmen über 3,5 mA den Schutzleiter verstärken oder doppelt ausführen.
Formeln
- Frequenz einer Oberschwingung
- Ordnungszahl, Netzfrequenz in Hz; bei B6-Brücken treten die Ordnungen auf
- Induktivität einer Netzdrossel
- relative Kurzschlussspannung, Außenleiterspannung in V, Bemessungsstrom in A, in H
Typische Fehler in der Prüfung
- Den Schirm der Motorleitung nur einseitig oder über einen langen Beidraht angeschlossen.
- Eine lackierte Montageplatte verwendet und auf Kontakt über die Schrauben vertraut.
- Geschirmte Motorleitung als Mittel gegen Netzoberschwingungen genannt.
- Am IT-System den Filter unverändert betrieben oder gar den Schutzleiter abgeklemmt.
Tipps aus der Werkstatt
- Schirm der Motorleitung immer beidseitig rundum auflegen, mit Schirmschelle oder EMV-Verschraubung. Schon ein Beidraht von wenigen Zentimetern wirkt bei Megahertz wie eine Spule und macht den Schirm nutzlos. Montageplatte blank lassen, Lack isoliert die Hochfrequenz.
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12 Aufgaben zu „EMV und Aufbau von Antriebssystemen“, falsche Antworten kommen in der Runde noch einmal.
Jetzt übenGrundlage: KMK-Rahmenlehrplan Elektroniker/-in für Maschinen und Antriebstechnik, Lernfeld 11 (Komplexe Antriebssysteme herstellen); DIN EN 61800-3, DIN EN 61800-5-1. Eigene Erklärung, keine Originalaufgaben der Prüfungsausschüsse.