Lernfeld 11 · Prüfung Teil 2
Kundenanforderungen und Lastenheft
Kundenanforderungen an Gebäudeautomation klären: Bedarfsermittlung, Bestandsaufnahme, prüfbare Anforderungen, Lastenheft, Pflichtenheft und Nachträge.
Darum geht es
Jedes Projekt der Gebäudeautomation beginnt mit der Frage, was das Gebäude leisten soll. Im Gespräch mit Bauherr, Nutzern und Fachplanern wird die Nutzung ermittelt: Raumarten, Nutzungszeiten, gewünschte Bedienung, Komfort, Energieziele und Sicherheitsanforderungen. Kunden äußern ihre Wünsche selten in Fachbegriffen; der Integrator übersetzt Sätze wie „Licht soll von selbst ausgehen“ in Funktionen der Gewerke, etwa Präsenzmelder mit Lichtsteuerung. Bei Modernisierungen kommt eine Bestandsaufnahme dazu: vorhandene Bussysteme, Controller, Projektdateien, Pläne und Anlagen, die während des Umbaus weiterlaufen müssen.
Die Anforderungen des Auftraggebers stehen im Lastenheft. Es beschreibt, was die Anlage leisten soll und wofür, und nennt Rahmenbedingungen wie Budget, Termine und vorhandene Technik. Gute Anforderungen sind eindeutig, messbar und bei der Abnahme prüfbar, also mit Schwellwerten, Zeiten und Räumen statt mit Wörtern wie „komfortabel“ oder „modern“. Der Auftragnehmer antwortet mit dem Pflichtenheft. Darin beschreibt er, wie und womit er die Anforderungen umsetzt: Systeme, Geräte, Funktionslösungen und Schnittstellen.
Aus den Anforderungen entstehen erste Mengen, etwa die Zahl der Datenpunkte je Raumart und für Allgemeinflächen. Sie sind Grundlage für Systemwahl und Kalkulation. Ändert der Kunde nach Vertragsschluss seine Wünsche, wird die Zusatzleistung als Nachtrag beschrieben, kalkuliert, mit ihren Folgen für Termine genannt und vor der Ausführung schriftlich beauftragt. Das Pflichtenheft wird dann fortgeschrieben, damit bei der Abnahme klar ist, welcher Stand vereinbart war.
Das solltest du dir merken
- Das Lastenheft sagt, was und wofür; das Pflichtenheft sagt, wie und womit.
- Anforderungen müssen messbar und bei der Abnahme prüfbar sein.
- Kundenwünsche werden in Funktionen der Gewerke übersetzt und gewerkeübergreifend verknüpft.
- Bei Modernisierungen zuerst Bestand, Dokumentation und Projektdateien klären.
- Änderungen nach Vertragsschluss nur als schriftlich beauftragter Nachtrag ausführen.
Formeln
- Datenpunkte eines Projekts
- Anzahl Räume je Raumart, Datenpunkte je Raum, Datenpunkte der Allgemeinflächen
Typische Fehler in der Prüfung
- Lastenheft und Pflichtenheft verwechselt, also den Auftragnehmer als Verfasser des Lastenhefts genannt.
- Anforderungen wie „möglichst komfortabel“ übernommen, die sich bei der Abnahme nicht prüfen lassen.
- Zusatzwünsche ohne schriftlichen Auftrag eingebaut und später nicht bezahlt bekommen.
- Bei der Modernisierung nicht nach dem vorhandenen ETS-Projekt gefragt.
Tipps aus der Werkstatt
- Merksatz für die Prüfung: Lastenheft = Was und wofür, schreibt der Auftraggeber. Pflichtenheft = Wie und womit, schreibt der Auftragnehmer. Formuliere Anforderungen immer prüfbar, mit Raum, Schwellwert und Zeit. Ein Satz wie „soll komfortabel sein“ lässt sich bei der Abnahme nicht abhaken.
Sitzt das Thema? Teste dich mit echten Prüfungsfragen.
11 Aufgaben zu „Kundenanforderungen und Lastenheft“, falsche Antworten kommen in der Runde noch einmal.
Jetzt übenGrundlage: KMK-Rahmenlehrplan Elektroniker/-in für Gebäudesystemintegration, Lernfeld 11 (Gebäudetechnische Systeme gewerkeübergreifend projektieren). Eigene Erklärung, keine Originalaufgaben der Prüfungsausschüsse.