Lernfeld 12 · Prüfung Teil 2
Diagnosesysteme, Betriebsdatenerfassung und Dokumentation
Diagnose und Dokumentation im Werkzeugbau: Werkzeugsensorik, Kraftüberwachung, Betriebsdatenerfassung, Ferndiagnose, Werkzeugakte und Übergabeunterlagen.
Darum geht es
Moderne Werkzeuge melden ihren Zustand selbst. Näherungsschalter prüfen die Vorschublage des Streifens, Lichtschranken den Teileauswurf, Kraftaufnehmer den Verlauf der Schneidkraft, Innendrucksensoren die Füllung einer Spritzgießform, Thermoelemente die Temperatur im Heißkanal. Die Signale werden in festen Winkelfenstern des Hubs abgefragt und mit Hüllkurven eines guten Zustands verglichen. Eine Kraftspitze über der Hüllkurve deutet auf zusätzlichen Werkstoff im Schnitt, ein Einbruch auf einen fehlenden Stempel oder zu dünnes Blech; in beiden Fällen stoppt die Presse.
Die Betriebsdatenerfassung (BDE) sammelt Hubzahlen, Hübe je Werkzeug, Stillstände mit Störgrund sowie Gut- und Ausschussmengen. Aus diesen Daten lassen sich Laufzeit, Stillstandszeit und Kosten je Teil berechnen und Schwachstellen erkennen. Damit die Auswertung funktioniert, geben Bediener Störungen über einen festen Störgrundkatalog ein. Hersteller von Maschinen und Werkzeugsystemen bieten Ferndiagnose über gesicherte Verbindungen an; der Betreiber gibt den Zugang frei, und Eingriffe an der Maschine macht das Personal vor Ort.
Zu jedem Werkzeug gehört eine Werkzeugakte mit Gesamt- und Teilzeichnungen, Stückliste mit Normalien, Betriebsanleitung, Wartungs- und Inspektionsplan, Einstellblatt, Bemusterungsbericht und dem Werkzeuglebenslauf. Bei jeder Instandsetzung werden Zählerstand, Befund und Maßnahme eingetragen. Viele Unterlagen von Normalien- und Maschinenherstellern sind englisch; Begriffe wie punch, die plate oder stripper plate gehören zum Grundwortschatz.
Das solltest du dir merken
- Kraftspitze über der Hüllkurve heißt zu viel Werkstoff im Schnitt, Einbruch heißt fehlender Stempel.
- Fehlt der Teileauswurf, muss die Presse vor dem nächsten Hub stehen.
- Störgründe nur aus dem Katalog, damit sie auswertbar sind.
- Stillstand ist Schichtzeit minus gefertigte Hübe durch Hubzahl.
- Der Werkzeuglebenslauf hält jede Reparatur mit Zählerstand fest.
Formeln
- Laufzeit aus der BDE
- Laufzeit in min, gefertigte Teile, Teile je Hub, Hubzahl in 1/min
- Kosten je Teil
- Maschinenstundensatz in €/h, Schichtzeit in h, Teile, Werkzeugkosten je Hub in €, Teile je Hub
Typische Fehler in der Prüfung
- Bei mehreren Teilen je Hub die Teilezahl mit der Hubzahl verwechselt.
- Werkzeugkosten je Hub nicht durch die Teile je Hub geteilt.
- Eine Kraftspitze als Stempelbruch gedeutet, obwohl ein Bruch die Kraft senkt.
- Vor der Fehlersuche am Sensor die Presse nicht gesichert.
Tipps aus der Werkstatt
- Kraft über der Hüllkurve: zu viel Werkstoff im Schnitt (Butzen, Doppelblech). Kraft darunter: Stempel gebrochen oder Blech zu dünn. Bei mehreren Teilen je Hub erst Teile in Hübe umrechnen, dann Laufzeit und Stillstand bestimmen.
Sitzt das Thema? Teste dich mit echten Prüfungsfragen.
13 Aufgaben zu „Diagnosesysteme, Betriebsdatenerfassung und Dokumentation“, falsche Antworten kommen in der Runde noch einmal.
Jetzt übenGrundlage: KMK-Rahmenlehrplan Werkzeugmechaniker/-in (2004 i. d. F. 2018), Lernfeld 12 (Inbetriebnehmen und Instandhalten von technischen Systemen des Werkzeugbaus). Eigene Erklärung, keine Originalaufgaben der Prüfungsausschüsse.