Lernfeld 9 · Prüfung Teil 2
Strukturierte Verkabelung und Übertragungstechnik
Strukturierte Verkabelung nach DIN EN 50173: Primär-, Sekundär- und Tertiärbereich, 90 m Festverkabelung, Abnahmemessung, LWL-Dämpfung und PoE.
Darum geht es
Die strukturierte Verkabelung nach DIN EN 50173 gliedert ein Netz in drei Bereiche. Der Primärbereich (Campus) verbindet Gebäude, meist mit Lichtwellenleitern. Der Sekundärbereich (Steigbereich) verbindet Gebäudeverteiler und Etagenverteiler. Der Tertiärbereich führt vom Etagenverteiler zur Anschlussdose am Arbeitsplatz. Die fest verlegte Strecke dort darf höchstens 90 m lang sein, der gesamte Übertragungskanal mit Patchkabeln höchstens 100 m. Für 10 Gbit/s über diese Länge brauchst du Kategorie 6A.
Bei der Verlegung beachtest du den kleinsten Biegeradius, ziehst nicht über die zulässige Zugkraft, knickst und quetschst nicht und hältst Abstand zu Energieleitungen nach DIN EN 50174-2. In Fluchtwegen und durch Brandabschnitte verwendest du halogenfreie Kabel mit passender Brandklasse und schließt Durchbrüche mit zugelassenen Brandschotts. Beim Auflegen auf die Dose bleibt die Verdrillung bis kurz vor den Kontakt erhalten und der Schirm wird vollflächig aufgelegt; sonst scheitert die Messung am Nahnebensprechen (NEXT).
Nach der Installation misst du jede Strecke mit einem Kabeltester: Belegung (Wiremap), Länge, Einfügedämpfung, NEXT und Rückflussdämpfung. Das Messprotokoll ist Teil der Abnahme. Bei Glasfaser rechnest du ein Dämpfungsbudget aus Faserdämpfung je Kilometer, Steckverbindern und Spleißen und vergleichst es mit Sendeleistung und Empfängerempfindlichkeit. Bei PoE liefert der Switch nach IEEE 802.3af bis 15,4 W, nach 802.3at (PoE+) bis 30 W je Port; beim Endgerät kommen davon 12,95 W bzw. 25,5 W an.
Das solltest du dir merken
- Primär verbindet Gebäude, Sekundär Etagen, Tertiär Etagenverteiler und Arbeitsplatz.
- Festverkabelung höchstens 90 m, gesamter Kanal höchstens 100 m.
- Verdrillung bis zum Kontakt erhalten, sonst steigt das Nahnebensprechen.
- Glasfaser ist unempfindlich gegen Störfelder und überbrückt große Entfernungen.
- PoE+ liefert am Switchport 30 W, am Endgerät kommen 25,5 W an.
Formeln
- Dämpfung einer LWL-Strecke
- Faserdämpfung in dB/km, Länge in km, Anzahl und Dämpfung je Steckverbindung bzw. Spleiß in dB
- Leistungsreserve
- Sendeleistung, Empfängerempfindlichkeit, beide in dBm, Streckendämpfung in dB
- PoE-Ports nach Budget
- PoE-Leistung des Switches in W, am Port bereitzustellende Leistung in W, abrunden
Typische Fehler in der Prüfung
- Die 100 m des Kanals als zulässige Länge der Festverkabelung angesetzt.
- Beim PoE-Budget die Leistung am Endgerät statt am Switchport gerechnet.
- Bei der LWL-Dämpfung die Steckverbindungen oder Spleiße vergessen.
- Primär- und Sekundärbereich verwechselt.
Tipps aus der Werkstatt
- Strukturierte Verkabelung in drei Ebenen: primär zwischen Gebäuden, sekundär zwischen Etagen, tertiär zur Dose. Permanent Link höchstens 90 m, mit Patchkabeln 100 m Channel.
- PoE-Budget: Leistung je Port ist die Switch-Seite, am Gerät kommt weniger an; Budget durch Portleistung, abrunden. Dämpfung einer Glasfaserstrecke = Länge mal dB/km plus alle Stecker plus alle Spleiße, einfach addieren.
Sitzt das Thema? Teste dich mit echten Prüfungsfragen.
23 Aufgaben zu „Strukturierte Verkabelung und Übertragungstechnik“, falsche Antworten kommen in der Runde noch einmal.
Jetzt übenGrundlage: Rahmenlehrplan IT-Berufe (KMK 2019), Lernfeld 9; DIN EN 50173-1, DIN EN 50174-2, IEEE 802.3af/at. Eigene Erklärung, keine Originalaufgaben der Prüfungsausschüsse.