Lernfeld 11 · Prüfung Teil 2
Authentifizierung, Zertifikate und Härtung
Authentifizierung und Härtung: Faktoren, Zwei-Faktor, Passwortregeln nach BSI, Hash mit Salt, PKI und X.509-Zertifikate, SSO, SSH-Schlüssel und Rechte.
Darum geht es
Authentifizierung prüft, wer jemand ist, Autorisierung legt fest, was er darf. Die Faktoren sind Wissen (Passwort, PIN), Besitz (Smartphone, Token, Smartcard) und Sein (Fingerabdruck, Gesicht). Eine echte Zwei-Faktor-Authentifizierung kombiniert zwei verschiedene Klassen; zwei Passwörter sind nur ein Faktor. Das BSI empfiehlt lange Passwörter oder Passphrasen, einen Passwortmanager, Mehr-Faktor-Anmeldung und einen Wechsel nur bei Anlass statt nach starren Fristen. Server speichern Passwörter nie im Klartext, sondern als Hash mit zufälligem Salt und einem langsamen Verfahren wie bcrypt oder Argon2. Mit Single Sign-On meldet sich ein Nutzer einmal an und erhält Zugriff auf mehrere Dienste.
In einer Public-Key-Infrastruktur bestätigt eine Zertifizierungsstelle (CA) mit ihrer Signatur, dass ein öffentlicher Schlüssel zu einem Namen gehört. Ein X.509-Zertifikat enthält Inhaber und alternative Namen, Aussteller, Gültigkeitszeitraum, Seriennummer, öffentlichen Schlüssel und die Signatur der CA. Beim HTTPS-Aufruf prüft der Browser die Kette bis zu einem vertrauenswürdigen Stammzertifikat, den Namen und die Gültigkeit. Bei einer eigenen internen CA muss deren Stammzertifikat auf allen Clients verteilt werden, etwa per Gruppenrichtlinie. Ist ein privater Schlüssel kompromittiert, wird das Zertifikat widerrufen und mit neuem Schlüsselpaar ersetzt.
Härtung heißt, die Angriffsfläche zu verkleinern: Updates einspielen, unnötige Dienste und Ports abschalten, Standardkonten deaktivieren oder umbenennen, Kennwörter ändern, Firewall und Protokollierung aktivieren. Administratoren arbeiten im Alltag mit normalem Konto und nutzen ein getrenntes Admin-Konto nur bei Bedarf. Bei SSH ersetzt die Anmeldung mit Schlüsselpaar die Passwortanmeldung. Wechselt jemand die Abteilung, werden alte Rechte entzogen; verlässt er den Betrieb, werden Konten gesperrt, Geräte zurückgegeben und Zugänge geändert.
Das solltest du dir merken
- Zwei Faktoren müssen aus verschiedenen Klassen stammen, Wissen, Besitz oder Sein.
- Passwörter werden mit Salt und langsamer Hashfunktion gespeichert.
- Die CA signiert das Zertifikat, der Browser prüft die Kette bis zur Wurzel.
- Kompromittierter privater Schlüssel heißt Zertifikat widerrufen und neues Schlüsselpaar erzeugen.
- Beim Abteilungswechsel alte Rechte entziehen, nicht nur neue hinzufügen.
Formeln
- Anzahl möglicher Passwörter
- Anzahl möglicher Zeichen je Stelle, Passwortlänge
- Passwortstärke in Bit
- Entropie in Bit bei zufällig gewählten Zeichen
Typische Fehler in der Prüfung
- Passwort und Sicherheitsfrage als Zwei-Faktor-Authentifizierung bezeichnet.
- Ein abgelaufenes Zertifikat durch Ausnahmeregel im Browser umgangen statt erneuert.
- Hashing und Verschlüsselung gleichgesetzt; ein Hash lässt sich nicht zurückrechnen.
- Beim Abteilungswechsel die alten Berechtigungen stehen gelassen.
Tipps aus der Werkstatt
- Zwei Faktoren heißt zwei verschiedene Kategorien: Wissen, Besitz, Merkmal. Passwort plus PIN ist nur ein Faktor. Härtung: unnötige Dienste aus, Updates ein, Standardkonten weg, Rechte minimal.
- Die CA bürgt mit ihrer Signatur dafür, dass ein öffentlicher Schlüssel zu einem Namen gehört. Der Browser prüft Signaturkette, Gültigkeitsdauer und Namen, dann handeln beide einen symmetrischen Sitzungsschlüssel aus. Abgelaufenes Zertifikat: erneuern, nicht die Warnung wegklicken.
Sitzt das Thema? Teste dich mit echten Prüfungsfragen.
21 Aufgaben zu „Authentifizierung, Zertifikate und Härtung“, falsche Antworten kommen in der Runde noch einmal.
Jetzt übenGrundlage: Rahmenlehrplan IT-Berufe (KMK 2019), Lernfeld 11; BSI IT-Grundschutz-Kompendium (ORP.4 Identitäts- und Berechtigungsmanagement, SYS.1.1 Allgemeiner Server); RFC 5280 (X.509). Eigene Erklärung, keine Originalaufgaben der Prüfungsausschüsse.